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Hämophilie-Lager

SHG Sommerlager 2004

«Fussballspielen ist tabu»
So titelte das Tagblatt den Zeitungsartikel über das Hämophilie-Sommerlager 2004. Kurz nach der Fussball-EM in Portugal und dem Panini Bildchen Sammeleifer kommen sie, Zidan, Figo, Beckham und andere, insgesamt 17 Spieler in ein Ferienlager und bringen sogar Roteiro, den offiziellen EM-Ball 2004, mit – so lässt sich auch am Bodensee keine Fussball freie Zone mehr gewährleisten. Möglicherweise zum Leidwesen der sonnenhungrigen Gäste der Badi Horn wurde ausgerechnet dort Fussball gespielt, mit einem (ach wie langweilig) Softball versteht sich. Das Besprechen der Mannschaftsaufstellungen dauerte beinahe so lange wie das Spiel, wiederum war eben niemand im Leiterteam im Besitz einer Trainerlizenz und hätte kompetent ein Training leiten können. Autoritär konnten wir aber Trainingseinheiten beenden und einige davon verhindern. Fussball war eben nicht unser Thema, stattdessen beschäftigten wir uns während der ersten Woche mit Selbstverteidigung.

Kampfsport im Hämophilielager? 
Silvia Bren, diplomierte Ju-Jitsu-Lehrerin, führte uns behutsam in Techniken von Judo, Karate, Aikido und weiteren Kampfsportarten ein. Ziel dieser Aktion war, mit klarer Körperhaltung und verbalem Ausdruck, einfachen und effizienten Selbstverteidigungstech-niken sich erfolgreich zu behaupten, zu spüren, wie viel Kraft man selber hat und das Selbstvertrauen zu stärken. Gekämpft wurde spielerisch, ohne dass es zu Verletzungen gekommen ist, mit den blossen Händen oder mit Stöcken und mit Würfen. Schläge und Würgegriffe wurden abgewehrt und der Angegriffene versuchte blitzschnell die Kon-
trolle über die Kampfsituation zu ergattern. Als Zeichen der gegenseitigen Achtung verbeugten sich die Partner vor und nach jeder Übung, jedem Kampf. Nebenbei lernten wir auch Japanisch, wir trainierten mit unserer Sensei im Dojo, zählten ICHI, NI, SAN, SHI usw. Die Vorführungen der Athleten waren jedes Mal eine besondere Herausforderung, aber der eigentliche Höhepunkt für alle war das Zerschlagen von Holzbrettchen. Mit mehr oder weniger mit Erfolg versuchten es einige Unbelehrbare ohne Boxer-Handschuhe anschliessend noch alleine hinter dem Haus. Je kleiner das Brettchen, desto schwieriger ist es und überhaupt, entgegen der Faserung des Holzes ist es kaum möglich. Niemand der Hände reibenden Versucher meldete sich anschliessend für eine Substitution, noch einmal ging alles gut.


SOLA2004 - Zerschlagen von Holzbrettchen

Zerschlagen von Holzbrettchen vorsichtshalber mit Boxhandschuh ...


SOLA2004 - Softfussball in der Badi Horn

Softfussball in der Badi Horn


Nichts für Weicheier
Vor einem Jahr hatten wir einen Segelschnupperkurs, dieses Jahr folgte die Fortsetzung. Ivo Gonzenbach leitete diese Trainings und die Fortschritte der Teilnehmer waren offensichtlich: Wie bei einer Regatta segelten sie mit Optimisten um die Bojen. Für eine richtige Wettfahrt reichten die Fähigkeiten jedoch noch nicht, die Jungs waren noch zu sehr mit sich und dem Material beschäftigt. Nur mit einer korrekten Segelstellung kommt man richtig in Fahrt, dabei spielt es eben eine Rolle, ob der Wind von vorn, seitlich oder gar achtern kommt. Und wer bei den Manövern sich nicht rechtzeitig duckt, kann an seinem Kopf mit dem Baum Bekanntschaft machen. Auch regnete es zeitweise, zum Donnergrollen fern ab im Vorarlberg waren furchterregende Blitze zu sehen. Segeln ist eben ein Sport im Freien und nichts für Weicheier, also Schotten dicht nehmen und weiter geht’s. Natürlich übten wir auch das Kentern der Boote. Das erste Mal braucht es schon ein bisschen Überwindung soweit aus dem Optimisten zu lehnen, dass er kentert. Doch nach anfänglichem Zögern fanden die Segler den Gefallen daran und tauchten wie Ivo befahl, sogar unter die gekenterten Boote. 

Schlechtwetterprogramm bei Sonnenschein
Kurzfristig von einem Papa organisiert, wurde für uns der Besuch der Kantonspolizei in Trogen möglich. Der Verkehrs-dienst zeigte uns zwei Polizeiautos samt Inhalt und demonstrierte ein Lasergerät für Geschwindigkeitsmessun-gen. Ja, wer zu schnell fährt (die Toleranz bei Lasermessungen ist übrigens 3 km/h, beim Radar 5 km/h) oder beim Blasen zu viele Promille im Blut hat, läuft Gefahr, dass sein Führerausweis eingezogen wird. So nebenbei erzählt ein Teilnehmer, dass auch seine Mutter, ohne dass sie geblitzt wurde, den Führerausweis abgeben musste – einen Moment lang herrschte betretenes Schweigen… 

Bei der Besichtigung des Untersuchungsgefängnisses wurde gerade das Mittagessen für die Häftlinge bereitgestellt, im Plastikgeschirr mit Plastikbesteck. Beim kriminal-technischen Dienst wurde uns gezeigt, wie Finger-abdrücke sichergestellt werden, Banknoten von Blüten unterschieden werden und anderes mehr. Sind einmal die Untersuchungen abgeschlossen und alle Beweismaterialen sichergestellt, kommt es allenfalls zur Gerichtsverhand-lung. Der Gerichtssaal unterscheidet sich doch deutlich von einer Gefängniszelle, und beides ist im gleichen Gebäude untergebracht. Zum Schluss sahen wir noch das Museum der Jagdverwaltung Appenzell A.Rh., eine überraschend grosse Vielfalt erlegter heimischer Tiere.

Räuber und Poli
Die Fortsetzung des Kampfes vom vergangenen Jahr nahm während der ersten Woche ein groteskes Ausmass an. Beunruhigte Anwohner kritisierten die gigantischen, dem Schutz der Burgen dienenden Bachverbauungen. Anstatt wie vereinbart nur Äste, wurden junge Bäume gefällt und dienten als Baumaterial für Schutzwehre. Trotz einer Grenzbegehung kam es mehrfach zu Grenzverletzungen, die Kämpfer schienen sich nicht um territoriale Hoheiten zu kümmern. – Das konnte nicht gut enden und just am Abend vor der grossen Schlacht wurden von der UNO alle Befestigungsbauten dem Erdboden gleich gemacht und das verbaute Material auf einem riesigen Haufen neben der Feuerstelle aufgetürmt. Nicht genug damit, anstelle des geplanten Desserts, ein Eis am Seeufer, gab es eine Aussprache mit Zeugenvernehmungen. Unmittelbar nach dem Frühstück am nächsten Morgen kam es zur Gerichtsverhandlung. Das Plädoyer des Staatsanwaltes war scharf: So machte er unter anderem auch einen Verfahr-ensfehler geltend, die Wiederholungstäter hätten eigentlich bis zur Verhand-lung in Untersuchungshaft gesetzt werden müssen… Beim Strafmass setzte sich der Staatsanwalt gar für die drastische Höchststrafe ein: ein lebenslanges Fussball Verbot, und damit es nicht umgehen werden kann, sollte allen Ver-urteilten beide Beine amputiert werden. Der Verteidiger plädierte für einen Freispruch, man dürfe nicht friedlich spielende Kinder bestrafen, nur weil Kompostis vom Spiel ausgeschlossen sind. Und überhaupt, die Kinder ersparten den Anwohnern die Kosten für den Förster, haben mit ihren Rodungen Platz für neue Pflanzen im Dickicht geschaffen. Nach kurzer Beratung verkündeten die Geschworen das Urteil mit Begründung: Nach mehreren von den Beschuldigten in den Wind geschlagenen Verwarnungen werden sie schuldig gesprochen wegen wiederholten Grenzverletzungen, Landfriedensbruch und mutwillig herbeigefügtem Flurschaden. Die Angeklagten wurden zu einer Stunde Arbeit im Dienste der Öffentlichkeit verurteilt. Die Strafe, eine Stunde «Fetzeln» am Seepark musste sofort vollzogen werden. Mit Handschuhen und Kehrrichtsäcken bewaffnet sammelten die Verurteilten zwischen Passanten den Müll ein und wurden vereinzelt von Neugierigen befragt, weshalb sie so ordentlich seien…


SOLA2004 - Gruppenbild mit Kantonspolizei Trogen

Gruppenbild mit Kantonspolizei Trogen


SOLA2004 - Mord im Palast - ein Fall für Sherlok Shrek

Mord im Palast - ein Fall für Sherlok Shrek


SOLA2004 - erster Stechversuch !

Erster Stechversuch !


Mord im Palast
Nicht genug der angewandten Kriminologie. Johann, der alleinerbende Butler der altersdementen Gräfin Nema von Dorry wurde umgebracht. Zurück vom See wurden wir bereits von der überaus aufgeregten Joséphine Confi-ture und von Oberinspektor Sherlok Shrek erwartet. Es dauerte einige Stunden, bis die Detektive den Fall gelöst hatten. Die Tatwaffe, das blutverschmierte Küchenmesser war zwar aus Joséphine’s Diensträumen, doch schnell kam der Chauffeur Ernesto Masarati in Verdacht, seine Vorliebe für teure schöne Autos hätte ein Motiv sein können. Nicht er, sondern die erst seit kurzem im Palast tätige persönliche Pflegerin der Gräfin, Schwester Susi Listig, wurde schliesslich der Tat überführt und musste gestehen, den Butler ermordet, Testamente ge-fälscht und die Ermordung der Gräfin schon geplant zu haben. 

Je nach Wetter
Wer meint, wir hätten uns nur selbst verteidigt, gesegelt und wären kriminalistisch tätig gewesen, der irrt. Mit Minigolf haben wir uns auf einen Golf-Schnupperkurs vorbereitet. Minigolf ist allenfalls mit Putten im Green vergleichbar, das Abschlagen der Golfbälle von der Driving range und das Überwinden der Bunker waren jedoch neue Herausforderungen. Einen Nachfolger für Tiger Woods konnten wir bei unsern Teilnehmern nicht erkennen, es wird weiterhin hartes Training notwendig sein. Klar am Stil zu erkennen war, dass Mark diese Sportart in seiner Freizeit bereits praktiziert. An verregneten Abenden projezierten wir Fotos und Videos auf zweckentfremdete Leintücher. Für viele eine Premiere war aber der Besuch im Open Air Kino an der Seepromenade. Obwohl wir mit Deep Blue uns keinen der vorgeschlagenen Actionfilme anschauten, war das Erlebnis einmalig. Es gäbe noch viel zu erzählen, von einem gestopften Schaf, von Sandalen im Wert von Fr. 5.80, badenden Einwegkameras, fliegenden Fingerschützern beim Trommeln, Bananen liebenden Fischen, Monopoly Geld usw. Aber ich wollte ja kein Buch schreiben und überlasse die Fotogeschichten der Phantasie der Leser. 

Zwei Wochen Massenlager
waren für alle eine Herausforderung. Noch nie hatte ich am Ende eines Ferienlagers einen so grossen Kleidersalat erlebt. Hoffentlich konnten die wertvollsten Lieblingshosen, die dreckschweren Turnschuhe am Schluss wiederum in der richtigen Tasche den Heimweg antreten. Nicht alles, was ich nach Hause getragen habe, entspricht nämlich meiner Körpergrösse.

Erfreulich ist, dass sich keine nennenswerte Pannen oder Unfälle ereigneten. 

Das Hämophilielager in dieser Form war eine Teamarbeit mit Myriam, Sibille, Steve und Vroni. Zusätzlich konnten wir auf Hilfe und Unterstützung zählen von Agnes, Denis, Eric, Erwin, Iain, Ivo, Rita, Rosmarie, Sara, Silvia, Walter und Herrn Tobler, der Aktion «Denk an mich», Alain Melliger von Airport-Rental Cars Glattbrugg, der Kantonspolizei Appenzell AR, Kodak SA, der SRLG Arbon, dem Heim Verein Pfadi Arbon, dem Yacht Club Arbon. Herzlichen Dank.

Bericht von Dr. Willi Lutz


SOLA2004 - Kentern üben

Kentern üben


Letzte Änderung: 17.02.2004
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