Sommerlager 2005 Dr. Kobelt in Einsiedeln

Vom 29. Juli bis 6. August fand unser diesjähriges Lager für Kinder und Jugendliche mit Hämophilie im Pfadihaus in Einsiedeln statt. Es hat sich nicht nur durch den Ort vom letztjährigen Lager unterschieden, sondern auch in vielerlei anderer Hinsicht: 

Wir hatten zwar wieder 24 hämophile Gäste. Allerdings war die Altersstruktur komplett anders als letztes Jahr: 13 Kinder waren im Alter von 5 bis 10 und nur vier Teilnehmer älter als 16 Jahre. Dem entsprechend umfasste das Leiterteam auch drei Mütter von teilnehmenden Kindern, was wiederum dazu führte, dass noch einige Geschwister und Freunde ohne Hämophilie mit ins Lager kamen. Alles in allem kamen wir so auf einen permanenten Bestand von 38 Personen. Schliesslich herrschte eine babylonische Sprachenvielfalt, da neben dreien unserer Landessprachen in verschiedensten Dialekten auch Hochdeutsch, Englisch, Japanisch, Schwedisch, Spanisch und Holländisch zu hören waren! Grösse und Zusammensetzung der Gruppe hatte natürlich sowohl Auswirkungen auf die Lagerorganisation als auch das Programm. Erfreulicherweise stellte sich aber auch in diesem Jahr sofort wieder die typische und von allen unseren Besuchern bewunderte und geschätzte Lageratmosphäre ein, die bis zum glücklichen Abschluss der Woche anhielt! 

Nachfolgend möchte ich nun noch auf einige Besonderheiten und das Programm näher eingehen: 

Einsiedeln hat uns alles geboten, was wir für ein Lager benötigten: Eine schöne Umgebung mit Bergen, Wäldern und dem See, den Ort selber mit Sehenswürdigkeiten und allen erforderlichen Einkaufsmöglichkei-ten und schliesslich die freundliche Aufnahme durch alle Leute, mit denen wir Kontakt hatten. Es schien uns allerdings, dass die Gegend ein Drehpunkt für Regenwolken ist, so dass wir die wenigen, sonnigen Stunden schätzen gelernt haben; immerhin hatten wir nicht mit Mücken zu kämpfen, was auch seine Vorteile hat. 

Das «Pfadihaus» selber ist sehr modern und bestens eingerichtet. Es ist so gross, dass alle genügend Platz hatten und wir sowohl ein grosszügiges Behandlungszimmer als auch einen speziellen Raum für die sportmedizinische Untersuchung einrichten konnten.


In unserem Programm haben wir für jeden Geschmack etwas gehabt. Bei einem so grossen Altersunterschied muss natürlich meist Verschiedenes gleichzeitig angeboten werden. Hier eine Zusammenstellung einiger Aktivitäten: 
Morgengymnastik, Scobidoos knüpfen, Herstellen von Massageöl mit Duftessen-zen nach eigenem Geschmack, Verarbeiten von farbigem Plastikgranulat zu schön leuchtenden Scheiben, Planschen in unserem eigenen, kleinen Pool, Besuch des Ortes Einsiedeln mit Kloster und Lebkuchenmuseum, ... 

Spaziergänge in der malerischen Uferlandschaft des Sihlsees und Baden in dessen eher kaltem Wasser, allerlei Familien- und Gruppenspiele, Gute-Nacht-Geschichten hören und als Höhepunkt ... 

ein dreitägiges Survivalprogramm mit dem Top-Profi Christoph Hagen, der sonst eher Mitglieder von Spezialeinheiten diverser Truppen trainiert ... Bei unserem Programm ging es darum, unsere natürliche Umgebung besser kennen zu lernen und das, was sie uns zum (Über-)Leben bietet in rücksichtsvoller Weise zu nutzen. Teilweise konnten alle, vom Kleinsten bis zu den Erwachsenen mitmachen und sich draussen im Regen etwas beschäftigen. Bei der Krönung des Anlasses, dem Übernachten im Freien waren dann allerdings nur noch die hartgesottenen Abenteurer mit dabei und haben enorm viel gelernt: 

Wie schützt man sich vor Regen und Kälte und macht sich ein (einigermassen) bequemes Bett? Wo findet man in der Nässe trockenes Holz und entfacht ohne Zündhölzer ein Feuer? Was tun, wenn man mal muss? Welche Pflanzen der Umgebung können uns als Nahrung dienen und wie bereitet man sie zu? Welche Tiere leben hier und wie tönen ihre Stimmen? Wie fischt man mit dem Speer? ... waren bloss einige der praktischen Dinge, welche wir geübt haben. Am Lagerfeuer hat uns Christoph noch viel mehr aus seinem schier unerschöpflichen Erfahrungsschatz erzählt. 


Sommerlager 2005


Am Ende des Kurses ging es schliesslich noch darum, den Lagerplatz wieder so herzurichten, dass schon in wenigen Tagen von unserer Anwesenheit nichts mehr zu sehen war. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch Familie Kälin in Feusisberg für das Gastrecht auf ihrem Boden danken. 

Es war eine Freude mit anzusehen, mit wie viel Einsatz, Begeisterung und Ausdauer unsere Jungs auch unter den ungewohnten, eher misslichen Verhältnissen an der Arbeit waren. Das liegt sicher auch daran, dass es Christoph gelungen ist, alle mit seinem Programm hochgradig zu motivieren - Vielen Dank! 

Marco, Christian und Sylvia von der Sportmedizin an der Uni Jena waren wieder mit von der Partie, diesmal sogar mit dem kleinen Joël, der den Lagerbesuch trotz seinen erst 10 Monaten anscheinend voll genossen hat! Jeden Morgen haben sie ein hämophiliegerechtes Gymnastikprogramm angeboten. Jeder Teilnehmer wurde auch wieder eingehend sportmedizinisch untersucht. Wenn alles klappt, werden wir die vielen, vorhandenen Daten nun bald einmal veröffentlichen können. Wie immer hat uns das Sportteam auch bei unseren anderen Programmen begleitet und unterstützt. Das war wieder echt toll - herzlichen Dank! 

Auch Camilla Wensing hat sich ein dickes Lob verdient! Sie hat dieses Jahr einen grossen Teil der Vorbereitungen erledigt, einen der Mietbusse chauffiert, den Menuplan aufgestellt, die Einkäufe getätigt, einen Grossteil der Kocharbeit erledigt und hat damit klar die Position der «guten Seele» des Lagers errungen. Sie wurde dabei durch Anne und Barbara unterstützt, welche sich insbesondere der Betreuung der jüngeren Kinder gewidmet haben. Auch ihnen möchte ich dafür herzlich danken. 

Das Lager hat allen Spass gemacht, rein zum Vergnügen waren wir aber doch nicht da! Neben der schon erwähnten sportmedizinischen Seite gab es auch für den Lagerarzt viel Arbeit, wobei das Schwergewicht, dem jungen Durchschnittsalter der Teilnehmer entsprechend, mehr bei der praktischen Instruktion lag. Am Ende des Lagers konnten dann fünf stolze Teilnehmer unter allgemeinem Applaus ihr Spritzendiplom in Empfang nehmen. Von den älteren Teilnehmer konnte sich hingegen niemand zum Erwerb eines Theoriediplomes aufraffen. Neben der Ausbildung gab es viele individuelle Therapien durchzuführen, von kleinen Wundversorgungen bis zu verschiedenen komplexeren Problemen.


Einsiedeln


Schliesslich will ich es nicht versäumen, die Rolle der Lagerteilnehmer zu würdigen! Sämi, Mantschi und Flavio haben je eine Küchengruppe geleitet sowie tatkräftig bei der Kinderbetreuung und den Programmen mitgearbeitet, Oli hat zu alldem noch die Videodokumentation des Lagers übernommen. Unsere Hilfsleiter Luca, Mikey und Oliver haben sie dabei tatkräftig unterstützt. Ausser den Kleinsten haben auch alle übrigen Lagerteilnehmer bei der Küchenarbeit (mehr oder weniger) mit angepackt. Schliesslich haben alle mit Interesse und Begeisterung an den ihnen zusagenden Programmen teilgenommen. Unglücklicherweise haben wir es allerdings am Anfang versäumt, sämtliche Gameboys zu konfiszieren, so dass bei Einzelnen die Begeisterung für andere Spiele nur mit etwas Nachhilfe geweckt werden konnte - diesen Fehler werden wir nächstes Jahr sicher nicht wieder machen! 

Last but not least darf ich die Firma ZLB Behring erwähnen, welche dieses Jahr das Sponsoring übernom- men hat. Herr Hans König, der zuständige Verantwortliche der Firma, hat uns auch beim Outdoor-Programm begleitet und unterstützt. Herzlichen Dank! 

In den letzten Jahren haben wir etliche schöne, aber doch sehr aufwändige Lager in weiter entfernten Gegenden abgehalten. Der damit verbundene, enorme Aufwand ist für mich je länger desto weniger zu bewältigen. Mit den vielen, jungen Teilnehmern, welche inzwischen unser Lager besuchen wollen, ist es ohnehin kaum mehr möglich, derart weite Reisen zu unternehmen. Ein Lager in der Nähe ist hingegen für altgediente Lagerbesucher eher weniger interessant und daher bin ich denjenigen dankbar, die dennoch mitgekommen sind; ohne sie würden uns die lagererfahrenen Helfer und Vorbilder für die Kleinen fehlen! Andererseits kann es ja auch nicht das Ziel sein, möglichst grosse Teilnehmerzahlen zu erreichen. Mit mehr als 40 Personen wäre es wohl gar nicht mehr möglich, ein Lager in diesem Stil durchzuführen. Es wurde daher bereits beschlossen, auch im kommenden Jahr wieder ein Lager in derselben Art zu organisieren und es ist zu hoffen, dass wir zusammen abermals eine so tolle Zeit erleben dürfen.

Text von Dr. R. Kobelt